Exkurs: „Verschwendung von Kleidung“

Bismillah

Assalamu alaikum.

Heute gibt es mal wieder einen kleinen Exkurs, diesmal zu dem Thema Verschwendung in Bezug auf Kleidung. 

Zuerst allgemein: „Wie steht der Islam zum Thema Verschwendung?“

Der Mensch kann mit vielen Dingen verwenderisch umgehen, zum Beispiel mit Geld, Essen, Zeit aber auch mit Kleidung.

In einem Quranvers heißt es:

 „… esst und trinkt, doch seid nicht verschwenderisch!“ (7:31)

Der arabische Begriff für Verschwendung lautet إسراف (Israaf).

Der Mensch als „Statthalter“ auf Erden, ist für die begrenzten Ressourcen auf dieser Welt verantwortlich. Er muss sie sinnvoll nutzen und er darf sie nicht sinnlos verschwenden. Wasser zum Beispiel ist eine begrenzte Ressource, ebenso wie Nahrungsmittel. 

Der Muslim muss immer versuchen ein Gleigewicht zu halten. So heißt es zum Beispiel in folgendem Quranvers:

 

Quelle: „Die kleine Nasiha“ auf Facebook
 
Um die Grundbedürfnisse, wie Essen, Trinken und Kleidung zu erfüllen, muss natürlich Geld ausgegeben werden. Jedoch soll das Maß dabei nicht überschritten werden. Der Muslim muss das Gleichgewicht halten, indem er weder geizig, noch verschwenderisch ist. 

In Bezug auf unser Thema heißt das, dass man nicht sein ganzes Geld für Kleidung ausgeben sollte, wobei die Verschwendung auch darin liegt, dass man die gekaufte Kleidung nicht trägt. Kleidung die nur im Schrank hängt und nicht getragen wird, ist im Prinzip eine verschwendete Resource.

Quelle: „Die kleine Nasiha“ auf Facebook

Laut der Studie „Valuing our clothes“, verstaubt in britischen Schränken Kleidung im Wert von umgerechnet 38 Milliarden Euro. Oder, anders ausgedrückt: Rund 1,7 Milliarden Kleidungsstücke wurden in Großbritannien ein Jahr lang nicht getragen. Der Grund: Die Kleidung passt nicht mehr. 

Aus islamischer Sicht ist der Mann verpflichtet, für die Grundbedürfnisse seiner Frau aufzukommen. Das heißt sie sollte immer genug Nahrung und Kleidung haben.
In einem Hadith heißt es:

„Der Prophet sas sagte: “ Ihre Rechte an dir sind, dass du sie mit Nahrung und Kleidung in angemessener Weise versorgst.““ (Muslim, Abu Dawud)

Dabei kommt es natürlich auch auf das monatliche Einkommen des Mannes an. Grundsätzlich ist es im Islam erlaubt, dass jemand der viel Geld hat, es auch anhand seiner Kleidung zeigen darf. 

Dazu nun ein Auszug von der Seite „Islampedia“.

„Imran ibn Husain (Allahs Wohlgefallen auf ihm) berichtete, dass der Prophet (Allahs Segen und Friede auf ihm) gesagt hat:

„Allah liebt es, wenn Er Seinem Diener eine Gnade erwiesen hat, dass Er die Spuren Seiner Gnade an ihm sieht.“ (Hadith bei Baihaqi)

As-San’ani sagt: Dieser Hadith weist darauf hin, dass Allah es liebt, wenn man offen durch seine Art der Kleidung und die Art des Essens zeigt, dass Allah einem Wohlstand gegeben hat – dies weil durch das offene Zeigen eine Dankbarkeit gegenüber Allah ausgedrückt wird und weil die Leute so auf den Wohlstand des Betreffenden schließen können, so dass ein Bedürftiger weiß, dass er den Betreffenden um eine mildtätige Spende bitten kann.“ (Quelle:Islampedia)

  

Die meisten Muslime in Deutschland haben ein geregeltes Einkommen und sind weder besonders reich noch besonders arm. Man kann sich gute Kleidung in Maßen leisten. Unsere Kleiderschränke sind gut gefüllt. Alhamdulillah 

Aber trotzdem und ich glaube jede von uns kennt das: Man steht vor dem Kleiderschrank und man hat das Gefühl nichts zum anziehen zu haben, obwohl der Schrank voll ist. Unzählige Stücke, hängen im Schrank und werden schon ewig nicht mehr getragen. Aber irgendwie möchte man sich nicht davon trennen. Man könnte es ja eines Tages mal brauchen. In Wirklichkeit hortet man einfach Dinge, die man nicht mehr braucht, denn nur Kleidungsstücke die regelmäßig getragen werden, erfüllen ihren Zweck.

Wie gehen wir nun vernünftig und auf eine islamische Weise, mit unserem Konsum- und Kaufverhalten um?

 
 
Hier nun einige Ansätze um a) der Verschwendung von Ressourcen entgegenzuwirken b) der Verschwendung von Geld entgegenzuwirken und c) dem Horten von Kleidung entgegenzuwirken.

Lösung 1: Trage deine Kleidung so lange wie möglich

Kleidung die passt, sollte so lange wie möglich getragen werden. Falls sie mal kaputt geht, sollte man versuchen sie zu nähen. Interessanter Weise lautet die Dua für jemanden der neue Kleidung trägt: 

„Mögest du es abtragen und möge ALLAH- hocherhaben ist er- es ersetzen.“(Hisnul Muslim)

Daraus geht hervor, dass in dem abtragen von Kleidung ein gewisser Segen liegt.

Deswegen finde ich, sollte man auch in Jalabib in guter Stoffqualität investieren. Sie halten nicht nur länger, sondern man kann sie auch gut weiter verkaufen. Versucht die Kleidung daher immer gut zu pflegen.

2. Verkaufen, Kaufen, Tauschen von gebrauchter Kleidung

Mittlerweile gibt es viele Möglichkeiten, getragene Kleidung weiter zu verkaufen, zu tauschen oder selbst zu kaufen. 

Sehr empfehlenswert ist die Seite „Kleiderkreisel“ welche es auch mittlerweile schon als App gibt. Hier kann man Secondhand Ware kaufen, verkaufen oder tauschen. 

  
Es werden sogar von einigen Schwestern Khumur und Jalabib angeboten. Also lohnt es sich auf jedenfall mal etwas gebraucht zu kaufen. Falls du etwas Platz im Kleiderschrank schaffen möchtest kannst du auch selbst deine Jalabib die du nicht mehr trägst weiter verkaufen.

Auf Facebook gibt es auch viele Verkaufsgruppen für Schwestern. 

3. Oranisiere einen Flohmarkt mit Freundinnen

Wie wäre es wenn deine Freundinnen sich bei dir zuhause treffen und jede bringt Kleidung mit, die sie verkaufen oder tauschen möchte? Das alles in einer gemütlichen Atmosphäre. Also für mich klingt das nach viel Spaß. Man wird außerdem seine alten Sachen los und kann sich über das eine oder andere neue Teil  freuen.

4. Spenden und Verschenken 

Sammele deine alte Kleidung ein, die dir nicht mehr passt oder nicht mehr gefällt, und bringe sie zu einer Kleidersammelstelle. Gerade für Flüchtlinge werden momentan viele Kleiderspenden benötigt. 

Vielleicht hast du ein Kleid, einen Khimar oder einen Jilbab den deine Freundin immer super schön fand. Schenke ihn ihr doch einfach. Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft und du hast jemanden noch eine große Freude gemacht. 

Vielleicht gibt es auch Schwestern denen es finanziell gerade nicht so gut geht. Manche Schwestern wollen sich islamisch bedecken aber sie haben kein Geld und keine Möglichkeit sich etwas zu kaufen. Verschenke doch einfach einen Jilbab oder Khimar von dir. 

„Niemals werdet ihr Frömmigkeit erlangen, ehe ihr nicht von dem spendet,
was ihr liebt. Und was immer ihr spendet, Allah weiß wahrlich darüber Bescheid.“ (3:92) ❤️

Auf Facebook gibt es übrigens auch Gruppen in denen Sachen verschenkt werden. Schaut einfach mal rein.

Versucht aufmerksam mit eurer Umwelt und mit euren Mittmenschen umzugehen. Auf diese Weise kann jeder einen Beitrag leisten, dem übermäßigen Konsum und der Ressourcenverschwendung entgegenzuwirken.

Wie bin ich überhaupt auf dieses Thema gekommen? 

Es beschäftigt mich eigentlich schon etwas länger. Als ich in der Türkei war und die Frauen in ihren schwarzen Tscharschafs gesehen habe, meinte mein Mann plötzlich zu mir: „Das ist eigentlich praktisch. Normalerweise  braucht man nur 2-3 von diesen Tscharschafs und alle paar Jahre kauft man sich mal einen neuen, wenn einer kaputt geht.“

Irgendwo ist da schon was wahres dran. Schön wenn man so bescheiden sein kann und trotzdem zufrieden ist.

Ich erinnere mich die ganze Zeit an einen Hadtih in dem es ungefähr  heißt, dass einige Frauen zur Zeit des Propheten sas nur zwei Kleider besaßen. Eins wurde getragen, während das andere gewaschen wurde. 

Vielleicht kennt jemand den Hadith und kann ihn noch nachträglich in das Kommentarfeld schreiben. 

Mit diesem kleine Denkanstoß wünsche ich euch noch eine gesegnete Woche!

Ich hoffe der Artikel hat euch und mir etwas gebracht.

Bis dahin

Eure Jilbabella ❤️

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Veröffentlicht von

jilbabella

Deutsche Muslima- Ehefrau- Mutter- Jilbabi- Bloggerin

2 Gedanken zu „Exkurs: „Verschwendung von Kleidung““

  1. As salamu alaikum wa rahmatuLLAHi wa barakatuh liebe Schwester,

    ein sehr schöner und zum nachdenken anregender Beitrag. Allah humma barik.

    Jazaki Allahu khairan.

    Gefällt mir

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