Exkurs: Über die Nachahmung von Kleidung

Bismillah

Assalamu alaikum.

Heute gibt es mal wieder zur Abwechslung einen kleinen Exkurs über ein sehr interessantes Thema. Und zwar geht es um die Nachahmung von Kleidung.

Ich denke fast jeder von euch hat mal den Hadith gehört, in dem der Prophet sas folgendes sagt:

„Wer andere Menschen imitiert, wird einer von ihnen.“ (Musnad ibn Hanbal, Sunan Abi Dawud)

Meistens hört man diesen Hadith, wenn mal wieder nicht islamische Feiertage anstehen. Vor kurzem habe ich über diesen Hadith in einem anderen Zusammenhang gelesen. Und zwar ging es um Kleidung. In seinem Buch „Islam am Scheideweg“ greift Muhammad Asad das Thema auf, wie sich das nachahmen von „westlicher“ Kleidung auf die Muslime auswirkt.

Ich weiß Muhammad Asad kann man gerade in Bezug auf die Kleidung der muslimischen Frau kritisieren, da er ganz klar den Vers über die Bedeckung falsch interpretiert hat. Jedoch möchte ich trotzdem einige Passagen aus seinem Buch aufgreifen, weil er einfach in vielen Punkten recht hat. 

Als erstes sagt Muhammad Asad, dass der oben genannte Hadith nicht nur ein moralischer Hinweis ist, sondern auch eine objektive Aussage enthält: Durch die Nachahmung einer nicht muslimischen Zivilisation, assimiliert sich der Muslim automatisch. Kleidung ist nicht einfach etwas rein Äußerliches, es hat auch eine Auswirkung auf den Menschen selbst. Es geht also in dem Hadith nicht nur ausschließlich um die Sitten und Gebräuche einer Gesellschaft, sondern auch um ihre Kleidung. 

Kleidung oder Mode entwickelt sich aus bestimmten Idee und Geisteshaltungen. Die Mode der modernen „westlichen“ Welt ist heutzutage sehr stark sexualisiert, besonders  was die weibliche Kleidung angeht. 

Muhammad Asad sagt dazu: „Die europäische Mode heute entspricht durch und durch dem geistigen und moralischen Charakter von Europa. Trägt der Muslim europäische Kleidung, adaptiert er unbewusst den europäischen Geschmack und verbirgt sein eigenes geistiges und moralisches Selbst so lang, bis letztendlich die neue Kleidung passt.“

Warum sind die Muslime nicht mehr stolz auf ihre „traditionelle“ islamische Kleidung? Muhammad Asad sieht das Problem in einem „Minderwertigkeitsgefühl“ der Muslime. Nur aus diesem Grund ahmt man überhaupt erst eine andere Zivilisation nach. Die Muslime fühlen sich schwach und der „westlichen“ Welt unterlegen. 

Die islamische Kleidung wird oft als „mittelalterlich“ bezeichnet. Als muslimische Frau die sich Sunnah gemäß bedeckt, wird man als rückständig bezeichnet. Nicht nur von den nicht Muslimen sondern manchmal auch von anderen Muslimen. 

Nach und nach schneiden sich die Muslime selbst von ihrer Vergangenheit ab und das Unterlegenheitsgefühl nimmt weiter zu. Was kann man dagegen tun?

Muhammad Asad sagt dazu: “ Ein Muslim muss mit erhobenen Haupt leben. Er muss realisieren, dass er verschieden ist und sich von dem Rest der Welt unterscheidet; er muss lernen, auf diesen Unterschied stolz zu sein.“

Mit anderen Worten: Wir müssen uns weder für unsere Religion, noch für unsere Kleidung rechtfertigen. Man wird es den Menschen sowieso nie rechtmachen können. Die nicht Muslime sind erst zufrieden, wenn man diese Kleidung und den Islam ablegt.

Die Muslime müssen lernen stolz auf den Islam zu sein. Man muss aufhören sich zu entschuldigen oder zu rechtfertigen. 

Leider sieht man heute eher das Gegenteil. Auf die Kleidung bezogen sieht man muslimische Frauen, mit durch und durch westlicher Kleidung. Das einzige was eine Muslima von einer nicht Muslima unterscheidet, ist ein Tuch, welches um den Kopf drapiert wurde. Dabei wurde die Ayah über die Bedeckung doch herabgesandt, damit die muslimische Frau „erkannt und nicht belästigt“ wird.

Ich glaube man hat die Bedeckung der muslimischen Frau, so oft mit dem Wort „Kopftuch“ betitelt, bis die Muslime schon selbst geglaubt haben, dass es sich nur um ein Tuch auf dem Kopf handelt. Viele muslimische Frauen glauben heute, dass man nur die Haare bedecken muss. 

Wo ist der Unterschied zwischen einer „Hijabista“ und einer Fashion Bloggerin?

  

Links die muslimische Hijabista und rechts die Fashion Bloggerin.

Würde man die Muslima überhaupt als solche auf der Straße erkennen?

Es geht mir nicht darum Leute bloß zu stellen. Aber ich finde diese neue „moderne“ Auffassung von islamischer Kleidung, ist ein ernstes Problem. Warum besinnt man sich nicht auf die islamische Kleidung zurück? Wir haben die Abaya, den Jilbab, den Khimar. Warum müssen es enge Hosen sein anstatt einer Sarouel Hose? 

  
Es wird zwar gerne als „modest islamic clothing“ (modest = bescheiden, sittsam, anständig) propagiert, aber wenn man ehrlich zu sich selbst ist, dann ist es das eben nicht. 

Wenn man sich anschaut, wie sich die muslimischen Frauen bis noch vor nicht mal hundert  Jahren gekleidet haben, dann wird man merken, dass diese Nachahmung der „westlichen“ Kleidung noch sehr neu ist. 

Ich hatte bereits schon früher in einem Artikel darüber geschrieben, dass damals christliche Frauen, die traditionelle islamische Kleidung imitiert haben. (Zum Beispiel der Huik in den Niederlanden)

Heute ist es so, dass die Muslima die „Mode“ der nicht Muslime imitiert, um sich der Gesellschaft anzupassen. Dabei geht die Bedeutung der islamischen Bedeckung verloren.
  

Man sollte nicht der Mode hinterher rennen, die den islamischen Vorstellung von Kleidung eigentlich komplett entgegen gestellt ist. Kann man nicht einen Kompromiss finden, ohne die Bedingungen der islamischen Bedeckung aufzuheben? 

Unsere Kleidung sollte auf Quran und Sunnah basieren. 

Unsere Lieblings Marken sollten „Sunnah, Hayya, Taqwa und Iman“ sein.

Leider hat die „westliche“ Welt viel zu der „Entschleierung“ der muslimischen Frau beigetragen. Zum Schluss möchte ich daher ganz dringend einen Text zu diesem Thema von der Seite Qantara.de empfehlen mit dem Titel: Entschleiert euch! Das Kopftuch im kolonialen Zeitalter

Es kann natürlich gerne dazu kommentiert werden. Man muss nicht meiner Meinung sein zu diesem Thema aber ich hoffe ihr versteht meine Motivation hinter diesem Artikel. Und ich hoffe ich konnte euch die Thematik ansatzweise vermitteln, da es mich in letzter Zeit wirklich stark beschäftigt. 

Bis dahin 

Jilbabella
  

   

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Veröffentlicht von

jilbabella

Deutsche Muslima- Ehefrau- Mutter- Jilbabi- Bloggerin

8 Gedanken zu „Exkurs: Über die Nachahmung von Kleidung“

  1. Salam alaikum liebe Schwester Jilbabella da hast du vollkommen recht und ich denke genauso wie du es ist heutzutage nicht mehr so wie es früher einmal war ich sehe leider sogar das Frauen in die Moscheen kommen mit engen Hosen , Pullovern , vielfarbigen Kopftüchern … viel zu kurzen Jacken … ja was soll ich sagen vielleicht ist Jaum Al Qiyama nicht mehr so weit entfernt … viele Zeichen waren schon da …

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  2. Salam alaykum liebe Schwester.
    Alhamdulillah für deinen Beitrag. Ich sehe es genauso. Das ist das Ergebnis der Globalisierung, des Eurozentrissmus. Die Muslimische Frau wird mehr und mehr verändert bis wir uns am Ende nicht mehr erkennen.

    Auf der anderen Seite heisst es aber noch lange nicht dass jede Muslima gleich eine Mumina ist. Auch wenn ihr Hidjab groß ist und ihre Bedeckung gut. Es kommt auf ihr Akhlaq und ihre Taten und Absichten im Herzen darauf an. Früher dachte ich immer je größer das Hidjab um so anständiger ist die Schwester – (war damals noch sehr neu und unerfahren im Islam).
    Heute sehe ich es anders, nicht jede Kopftuchträgerin ist eine anständige Frau. Ich sehe viele Christen die sich oft besser benehmen und bedecken als unsere Schwestern.

    Aber im Grunde hast du Recht. Wir müssen stark bleiben. Dank Allah und dir haben wir gute Vorbilder.
    In diesem Sinne eine gesegnete Woche

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    1. Wa alaikum Salam Wa rahmatullah Wa barakatu.

      Nein Schwester du hast vollkommen recht. Lange breite Kleidung bedeutet noch lange nicht dass sich der Mensch moralisch korrekt verhält oder keine Fehler macht. Ich behaupte von mir auch nicht fehlerfrei oder die perfekte Muslima zu sein. Jeder kann an sich arbeiten. Wie du schon sagst gibt es auch genug christliche Frauen, die sich versuchen ihrer Auffassung nach nicht aufreizend zu kleiden.

      Die muslimische Frau muss heut zu Tage an ihrem inneren und äußeren arbeiten. Dem einen fällt es leicht sich zu bedecken aber nicht sich zu benehmen bei dem anderen ist es andersrum.

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  3. Durch Zufall bin ich auf Ihren Blog getroffen und habe den interessanten Artikel über die Nachahmung von Kleidung gelesen. Ich als Europäerin fühle mich geistig und moralisch durchaus nicht als besser oder schlechter als eine Muslimische Frau , werde aber so hingestellt als wäre ich durch meine Kleidung charakterlos. Ich empfinde beim lesen Ein sehr starkes „schwarz-weiss“ Denken bei Ihnen und das hat noch nie zu etwas geführt. Tragen Sie doch ganz selbstverständlich was Sie wollen, ist doch in Ordnung.
    Wir Frauen sollten viel näher zusammenstehen! Und Vorurteile abbauen! Wir sind sehr wichtig für den Fortbestand der Zivilisation, den friedlichen Fortbestand!
    Alles Gute für Sie, von einer Europäerin, europäisch angezogen und trotzdem nicht verdorben.

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    1. Ich bin selbst Europäerin und auch europäisch erzogen. Ich glaube sie haben die Aussage des Artikels nicht so ganz nachvollziehen können. Es geht um ein inner- islamisches Problem, welches von einer Außenstehenden Person nicht gleich bewertet werden kann.

      Ich habe nicht behauptet, dass nicht- muslimische Frauen gleichzeitig unmoralischer sind als muslimische Frauen. Auch habe ich sie bestimmt nicht als charakterlos hingestellt.

      Ich habe mich selbst damals europäisch gekleidet und somit kenne ich beide Seiten. Der Text sollte zum Nachdenken und reflektieren anregen. Außerdem stammen die Zitate nicht von mir sondern aus dem Buch von Muhammad Assad. Ich fand seinen Ansatz einfach sehr interessant und ich habe nicht behauptet, dass man nicht darüber diskutieren kann.

      Aber Fakt ist, dass Kleidung immer einer bestimmten Geisteshaltung entspringt. Das europäische Frauenkleidung immer freizügiger wird und dadurch sehr stark sexualisiert ist, wird auch von nicht- Muslimen kritisiert.

      Da muslimische Kleidung vom Grundprinzip eben nicht aufreizend und sexualisiert sein soll, ist hier eben ein großes Problem. Wenn muslimische Frauen mit Kopfbedeckung sich aufreizend anziehen ist das das komplette Gegenteil von dem was die Kleidung bewirken soll. Das ist der eigentliche Punkt. Eine Rückbesinnung auf die traditionelle islamische Kleidung, anstatt die Kleidung anderer Kulturen nachzuahmen. Dazu gehören auch bestimmte Moralvorstellungen.

      Ich hoffe es ist jetzt trotzdem etwas klarer für sie geworden. Mir ging es nicht darum jemanden abzuwerten.

      Ihnen ebenfalls alles gute von Europäerin zu Europäerin. 🙂

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  4. Ich bin zwar keine Muslima aber habe in meiner Arbeit eine Kollegin, die Kopftuch trägt. Ich habe mich gewundert warum dazu sie voll geschminkt ist und ziemlich enge Kleidungen anzieht. Ich bin katolisch und verstehe es gar nicht. Auch das verstehe ich nicht, dass ich heutzutage so viele muslimische Frauen auf den Straßen sehe, die dazu noch rauchen…

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    1. Liebe Ela,

      Danke für deinen Kommentar. Das sind leider Dinge, die ich auch des Öfteren auf der Straße sehe. Das ist leider keine Verhaltensweise einer Muslima, die mit dem Islam zu vereinbaren wäre. Der eigentliche Sinn der Bedeckung geht dadurch verloren und das Rauchen ist schon aus gesundheitlichen Gründen zu unterlassen. Ich hoffe dass es die betreffenden Muslimas irgendwann begreifen und diese Dinge unterlassen.

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